Freigeistige Aktion - DFW

Dachverband Freier
Weltanschauungsgemeinschaften
Direkt zum Seiteninhalt

Freigeistige Aktion

Berichte
Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur:
Vorstand wurde wiedergewählt |
Freude über erneute Buch-Restitution
Zu ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Bundesversammlung hatte die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. (FA, ehem. Deutscher Monistenbund) am 12. Oktober nach Neu-Isenburg eingeladen. Der Vorstand, bestehend aus Ortrun Lenz (Vorsitzende), Leonard Lenz (Stellvertretender Vorsitzender), Jasmin Roth (Kassiererin), Michael Luft (Schriftführer) und Klaus Hofmann (Beisitzer) wurde einstimmig wiedergewählt. Auch die beiden Revisoren Dr. Volker Mueller und Walter Witt wurden erneut gewählt.
Ortrun Lenz berichtete unter anderem, dass die FA kürzlich ein Buch zurückerhalten hatte, das einst von den Nazis geraubt worden war. Die im Dritten Reich üblichen „Beschlagnahmungen“ von Büchern betrafen damals viele freigeistige, freireligiöse, humanistische u.a. Gemeinden, Vereine und Organisationen. So war ja auch der Deutsche Monistenbund (die heutige FA) damals von den Nationalsozialisten verboten worden. Viele Vereinsunterlagen inkl. Bücher wurden beschlagnahmt oder vernichtet und sind daher für immer verloren oder nicht mehr zugänglich. „Umso erfreulicher ist es, dass ab und zu Bücher wieder auftauchen“, so Ortrun Lenz.
Schon vor zwei Jahren, am 24. Juli 2017, restituierte die Bayerische Staatsbibliothek zehn Buchtitel des Kartells der freiheitlichen Vereine in München an den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. Die Ortsgruppe des Kartells wurde 1933 verboten.
Diese Bücher waren durch die Geheime Staatspolizei, eine Organisation des NS-Regimes, beschlagnahmt worden. In einigen der Bücher befinden sich auch Besitzstempel von Max Riess, einem der Gründungsmitglieder des Kartells.
Und in diesem Jahr gab es dann eben überraschend noch einmal eine Bücher-Restitution, und zwar vom Deutschen Historischen Museum in Berlin. Dr. Matthias Miller, der Bibliotheksleiter, schrieb der Freigeistigen Aktion am 27. August 2019 u.a.:
„[...] in unbearbeiteten Beständen, die seit den 1960er Jahren von der Zentralstelle für Wissenschaftliche Altbestände (ZWA) an die Bibliothek des Museums für Deutsche Geschichte der DDR (MfDG) abgegeben worden waren, fand sich ein Buch mit dem Besitzstempel Deutscher Monistenbund / Ortsgruppe Stuttgart-Bad Cannstatt. Es handelt sich um den Titel:
Max Henning: Das freie Wort und die Probleme der Zeit. Eine Sammlung von Beiträgen bleibenden Werts aus den Jahren 1901 bis 1908. - Frankfurt (Main): Neuer Frankfurter Verlag, [ca. 1908]
Da es sich um einen relativ seltenen Titel handelt (Nachweise deutschlandweit nur in Jena und Mönchengladbach) wollte ich Sie fragen, ob Sie an einer Restitution interessiert sind. [...]“
Nun, der Vorstand der Freigeistigen Aktion war sehr erfreut und hat das Buch gern zurückgenommen. „Ich finde es jedenfalls sehr schön, dass es Leute gibt, die einen Gerechtigkeitssinn haben und sich die Mühe machen, die Besitzer der von den Nazis geraubten Literatur ausfindig zu machen und die Bücher zurückzugeben“, erklärte Ortrun Lenz.
Im Anschluss an die Bundesversammlung gab es einen Vortragsnachmittag, um den 100. Todestag von Ernst Haeckel zu würdigen, der am 9. August 1919 starb. Der große Naturphilosoph und erste deutsche Verfechter von Darwins Evolutionstheorie hatte 1906 in Jena den Deutschen Monistenbund, die heutige Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V., gegründet.
Freigeistige Aktion für humanistische Kultur

Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur:
Ernst Haeckels 100. Todestag gewürdigt
Anlässlich der Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. am 12.10.2019 in Neu-Isenburg wurde der Vereinsgründer Ernst Haeckel gewürdigt.
Zu seinem 100. Todestag erinnerte die Freigeistige Aktion (ehem. Deutscher Monistenbund) an den großen Naturforscher und Philosophen. Ernst Haeckel (1834–1919) gilt als der deutsche Naturwissenschaftler, der als einer der ersten Darwins Überlegungen der biotischen Evolution und der Abstammungslehre des Menschen aufnahm und verbreitete. Er forschte selbst jahrzehntelang über die Entwicklung und trug zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Haeckel war es, der den naturwissenschaftlich orientierten Monismus als naturphilosophische Welterklärung und freigeistige Weltanschauung etablierte.
Im Anschluss an die Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. in Neu-Isenburg fand ein Vortragsnachmittag statt, der von zwei Referenten gestaltet wurde. In den Räumen der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg in der Ludwigstraße 68, die Mitveranstalter war, fanden sich viele Interessierte ein, um den Ausführungen der Vortragenden zu folgen.
1906 gründete Haeckel in Jena den Deutschen Monistenbund, die heutige Freigeistige Aktion für humanistische Kultur. Aus der rein naturphilosophischen Ausrichtung des Monistenbundes zur Zeit seiner Gründung ist im Laufe der Jahrzehnte ein vermehrter Einsatz für freigeistige und humanistische Kulturarbeit geworden, und zwar vor dem Hintergrund der Grundrechte-Charta der UN an der Würde des Menschen ausgerichtet. Für viele unserer modernen Ansichten über Menschen, Tiere und Natur, Umweltschutz und Menschenrechte wurden schon zu Haeckels Zeiten die Grundsteine gelegt.
Arnher Lenz und Dr. Volker Mueller unterstrichen in ihren Referaten die Bedeutung Haeckels für die Entwicklung der heutigen Weltanschauung. Dabei ging es sowohl um die damals bahnbrechenden Erkenntnisse in der Biologie als auch um die daraus folgenden Einsichten hinsichtlich der Weltanschauung im Allgemeinen. Klar ist auch, dass einige der damaligen Theorien Haeckels mittlerweile überholt sind, weil die Forschung entsprechende Fortschritte gemacht hat. Dennoch sind z.B. seine Bücher wie die „Generelle Morphologie der Organismen“ von 1866 oder „Die Welträthsel. Gemeinverständliche Studien über Monistische Philosophie“ von 1899 wichtige Meilensteine in der Entwicklung der modernen, freigeistigen Weltanschauung gewesen.
In seinen Thesen zur Organisation des Monistenbundes (1904) erkannte Haeckel: „Ein Teil dieses universalen Entwicklungsprozesses ist unmittelbar unserer Erkenntnis zugänglich; Anfang und Ziel desselben sind uns unbekannt. … Dagegen muß die moderne Wissenschaft vollständig jede sogenannte ‚Schöpfung’ der Welt ablehnen.“ Für Haeckel ergaben all diese Erkenntnisse Folgendes: „Die ganze Welt ist durch die moderne Wissenschaft als ein einheitliches großes Ganzes erkannt worden, als ein Kosmos, der durch feste Naturgesetze regiert wird. Dieser Kosmos umfasst den unendlichen Weltraum und die darin nach festen Gesetzen sich bewegenden Weltkörper (Sonnensysteme); zugleich aber auch die Organismen, die deren Planeten bewohnen; kurz die Gesamtheit der ‚Natur’. [...] Dagegen erscheint der heutigen Naturkenntnis ganz unhaltbar die bisher herrschende Unterscheidung von zwei Welten: Einerseits Körperwelt oder Natur [...] – andererseits Geisteswelt oder Übernatur [...]. Alle Vorstellungen über diese letztere, übernatürliche Welt (– das „Jenseits“ –) beruhen auf Unkenntnis der Wirklichkeit oder auf Unklarheit des Denkens, teilweise auch auf der Macht der mystischen Tradition.“
Monismus kann also als weltanschauliche und wissenschaftlich begründete Position verstanden werden, wonach alle Geschehnisse, Verhältnisse, Ereignisse und Erscheinungen der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführbar sind. Damals umstritten - dank Darwin, Haeckel u.a. heute selbstverständlich.
Freigeistige Aktion für humanistische Kultur - www.freigeistige-aktion.de

Zurück zum Seiteninhalt