Berichte - DFW

Dachverband Freier
Weltanschauungsgemeinschaften
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Berichte

Statements
Mit Vernunft und Mitgefühl: ein Besuch bei den humanistischen Schulen in Uganda
Ein Bericht von Renate Bauer
Zur Einführung: Seit einigen Jahren schon unterstützen die freireligiöse Immanuel-Kant-Gemeinde in Neustadt/Weinstraße und ich die humanistischen Schulen in Uganda. Bisher waren es die Berichte von Steve Hurd und seiner Frau Hillary, die Leiter der Stiftung Uganda Humanist School Trust, die uns ermutigten, diese Schulen zu fördern und auch einzelne Schüler mit Stipendien zu begleiten.
Dieses Jahr nahm ich die Gelegenheit wahr, selbst die Schulen im Rahmen der Freundschaftswoche, wie die jährlichen Besuche der Stiftungsleiter und anderer Freunde der Schule genannt werden, zu besuchen. Die Schulen bestehen seit nunmehr 10 Jahren. Sie wurden auf Eigeninitiative humanistischer Ugander gegründet, die die politisch stabilen Verhältnisse ihres Landes dazu nutzen wollten, nicht nur humanistische Ideen zu verbreiten, sondern jungen Menschen zu einer guten Bildung vor allem auch im wissenschaftlichen Bereich zu verhelfen.
Beide Schulen liegen in ländlichen Bereichen des Landes, abseits der größeren Städte. Sie sind wie praktisch alle Sekundarschulen des Landes Privatschulen, d.h., es müssen Schulgebühren bezahlt werden. Trotz der Armut gerade im ländlichen Bereich, wo die Bauern darauf hoffen müssen, dass sie die Überschüsse ihrer Ernten verkaufen können, streben viele Familien danach, ihre Kinder nach der Grundschule, die in Uganda sieben Jahre umfasst, auf eine weiterführende Schule zu schicken. Bildung ist inzwischen in vielen Gegenden, noch längst aber nicht überall, für die Menschen wichtig geworden, um ein besseres Leben zu erreichen.
Beide Schulen, die Mustard Seed School (Senfkorn), in Busota bei Kamuli gelegen, und die Isaac Newton School, bei Musaka, konkurrieren mit anderen Schulen, vor allem christlichen, aber auch muslimischen und den wenigen staatlichen Sekundarschulen um Schüler und Anerkennung. Nach vier Jahren weiterführenden Schulbesuchs machen die Schüler die Prüfung zum O-Level, was unserer mittleren Reife entspricht, und bei entsprechendem Abschneiden nach weiteren zwei Jahren die A-Level-Prüfung (Abitur) für die Universität.
Aufgrund der Lage haben viele Schüler weite Wege bis zur Schule. Daher wurden in beiden Schulen mit entsprechender Förderung durch Spender Internatsmöglichkeiten geschaffen, sodass nun etwa die Hälfte der Schüler in der Schule wohnt und nur während der Ferien nach Hause geht. Von diesen Schülern werden bei mangelndem Verdienst der Eltern die besten durch Stipendien gefördert. Ein Stipendium beträgt 300 Engl. Pfund im Jahr, circa 360 Euro. Wer einen bestimmten Schüler fördern möchte, muss sich verpflichten, dies für mindestens vier Jahre zu tun, damit der/die Schüler/in auch eine Perspektive hat.


Mustard Seed School
Doch genug der trockenen Vorrede. Als wir nach mehrstündiger Fahrt von Kampala an der Nilquelle bei Jinja vorbei die Schule erreichten, war es früher Nachmittag. Schon an der Hauptstraße weist ein Schild auf die Schule hin. Man erreicht sie nach wenigen hundert Metern, abseits der asphaltierten Hauptstraßen über die üblichen Sandpisten. Es war sehr ruhig, da wir gegen Ende des Nachmittagsunterrichts eintrafen. Schuldirektor Moses Kamya und die Hauptlehrerin Annett begrüßten uns und führten uns durch das Schulgelände.
Wer nun ein deutsches Schulgelände im Kopf hat, muss sich mental sehr umstellen. Die Gebäude sind alle einstöckig, mit Veranden, auf denen Schüler ihre Bänke aufstellen und Stillarbeit machen können, die Wege dazwischen ungepflastert und ungeteert. In der Mustard Seed School haben die Schüler des humanistischen Klubs, den es dort wie auch die Pfadfinder, den Wirtschaftsklub u.a. gibt, entlang der Gebäude Beete mit einheimischen Pflanzen angelegt, um das Wissen über die örtliche Natur zu fördern. Die Gebäude selbst sind sehr einfach, vier Wände mit Fenstern und Tür, ein Dach. Die Schule hat insgesamt drei Flächen, auf denen sich ihre Gebäude verteilen. Auf der ersten Fläche sind neben zwei Klassenzimmergebäuden auch das Mädchenhostel sowie die Schulküche untergebracht und die Räume für die Lehrer. Auf der zweiten Fläche befindet sich neben Klassenräumen das Jungenhostel, auf der dritten Fläche wurde gerade ein weiteres Klassenzimmergebäude errichtet, und dort sind auch der Sportplatz für die Schüler sowie die Wasserpumpe. Die Schule selbst ist ans örtliche Stromnetz angeschlossen, verfügt aber auch über eine Solaranlage wegen der häufigen Stromausfälle.
Das größte Problem dieser Schule ist Wasser. Alle Schüler müssen ihr Wasch- und Trinkwasser an der einzigen Wasserpumpe der Schule holen. Das ist mühsam und zeitraubend. Einer der wichtigsten Diskussionspunkte bei unserem Besuch war eine bessere Wasserversorgung. Da erlebten wir leider auch, dass trotz eines recht gut funktionierenden Staates Vetternwirtschaft nicht ganz verschwunden ist, denn eigentlich sollte die Schule schon an eine Wasserleitung angeschlossen sein, aber die örtliche Parlamentsabgeordnete ließ die Leitung zuerst in ihr Dorf führen und nun ist das Geld alle. Die Stiftung aber betrachtet das Anlegen einer Wasserleitung (ca. 3 km zum nächsten Anschluss) als vordringliches Problem.
Als erstes besuchten wir am anderen Morgen drei Familien im Ort aus unterschiedlichen Verhältnissen. Wir wurden sehr freudig begrüßt und erfuhren auch viel über Landwirtschaft in Uganda. Manche Biobauern bei uns können noch von den Ugandern über Mehrfruchtwirtschaft und Fruchtkombinationen zur Düngung und Abwehr von Schadinsekten lernen. Das nur nebenbei. Am Nachmittag traf ich mich mit dem humanistischen Klub. Es kamen viele Fragen, etwa nach humanistischen Feiern und Feiertagen, aber auch nach dem Umgang mit Fehlverhalten, denn viele Schüler und Lehrer kennen nur Strafmethoden in strenger Form, obwohl in Uganda das Schlagen von Schülern verboten ist. Und so diskutierten wir über Respekt und Empathie und Vernunft. Danach besuchte ich das Projekt des Klubs: Sie züchten Hähnchen zum Verkauf an die Schule, damit das Essen der Schüler, das in erster Linie wie überall aus Maisbrei und Bohnen besteht, durch Proteine angereichert werden kann. Am nächsten Tag sprach ich vor allen Schülerinnen über Frauenrechte, aber auch über Frauengesundheit. Am Ende erhielten die Schülerinnen ihre jährliche Gabe an Afripads (Monatsbinden, die in Afrika hergestellt werden und gewaschen werden können, sodass sie ein Jahr lang benutzt werden können, wodurch weniger Abfall und keine Kosten für die Schülerinnen entstehen).
Später übte ich mit dem Schulchor das Lied „Die Gedanken sind frei“ auf Englisch ein. Am letzten Tag wurde ein Schulfest gefeiert, zum einen zur Eröffnung des neuen Gebäudes, aber noch mehr zur Begrüßung der Gäste. Nach den üblichen Ansprachen sang der Schulchor mit mir das eingeübte Lied, und es fand bei allen Anwesenden, auch Eltern, große Zustimmung. Die Scoutgruppe zeigte traditionelle Tänze. Anschließend wurden bei einem zum ersten Mal veranstalteten Vorlesewettbewerb Preise vergeben. Das bewirkte, dass nun alle Belletristik aus der Schulbücherei (wird von der Stiftung unterstützt) verschwunden ist, weil alle nun lesen. Die Schule selbst ist stolz auf ihr gutes Abschneiden bei Wettbewerben in Naturwissenschaften und bei den Pfadfindern. Auch dadurch ist sie für neue Schüler und ihre Familien attraktiv. Ein Problem bleibt: Einige Familien können nur mühsam das Schulgeld und das Geld für die Prüfungen aufbringen, der Distrikt ist sehr arm, und wenn die Ernte schlecht läuft, versucht die Schule zu überbrücken, so gut es geht, um guten Schülern den Besuch weiter zu ermöglichen. Daher sind fest zugesagte Stipendien sehr wichtig.

Isaak Newton High School
Auf einem Hügel gelegen, besteht diese Schule aus einem Campus, auf dem alle Gebäude zusammen stehen. Diese Schule verfügt über eine gute Wasserquelle, sodass im Gelände mehrere Zapfstellen vorhanden sind, ihr Problem ist der Stromanschluss. Momentan wird mit Generator und Solarzellen gearbeitet, aber der Schule und den umliegenden Dörfern ist die Elektrizitätsleitung fest zugesagt. Auch diese Schule hat viele Schülerklubs, und ihr Schwerpunkt liegt ebenfalls in Naturwissenschaften. Während unseres Aufenthaltes erlebten wir den Unterricht mit. Ich sprach wie zuvor mit der humanistischen Schülergruppe. Sie engagiert sich in den umliegenden Dörfern, indem sie für alleinstehende Frauen und alte Menschen Trockengestelle baut und Latrinen mit Handwaschgelegenheit. Darauf sind sie sehr stolz, und die Menschen sehr froh über diese in unseren Augen kleinen Hilfen, aber für die örtlichen Gegebenheiten bildet das Engagement eine wichtige Unterstützung und Krankheitsprävention.
Sie führten uns dazu im Dorf herum, mitten im Gewitterregen, was aber der Fröhlichkeit und Begeisterung der Schüler keinen Abbruch tat. Und der Regen hinderte sie auch nicht, tausend Fragen an uns Besucher zu stellen und uns über alles, was wir sahen, zu informieren. Ein Höhepunkt war ebenso der neu eingeführte Vorlesewettbewerb, bei dem wir als Besucher diesmal die Jury bildeten. Die Freude der Preisträger (alle erhielten ein Lexikon und einen kleinen Geldbetrag) war groß und wirkt sich nun ebenfalls in einer viel stärkeren Benutzung der Schulbibliothek aus.
Am nächsten Tag unterstützten wir die Abstimmung der Schülerinnen über den Namen ihres neuen Mädchenhostels. Da war die Spannung groß, bis aus den vier Schlussvorschlägen der Name Malala-Hostel als Gewinner aus der Auszählung der Stimmen hervorging und wir am letzten Tag bei einem Fest feierlich durch das Gebäude schritten. Auch hier zeigten die Schüler und Schülerinnen ihr tänzerisches und musikalischen Können beim Fest. Schulleiter Peter Kisirinya konnte dazu die örtliche Prominenz begrüßen und den Ethos der Schule als humanistische Schule vorstellen, in der die Anhänger aller Religionen und Nichtgläubige einander respektieren, miteinander leben und lernen.
Die Herausforderung dieser Schule besteht darin, dass weitere Klassenräume gebaut werden müssen, denn auch sie ist inzwischen so attraktiv durch ihre hohe Qualität, dass die unterste Klasse zweizügig unterrichtet werden muss, da inzwischen hundert Schüler in der Stufe angemeldet wurden.
Fazit: In beiden Schulen konnte ich erfahren, mit welcher Freude Schüler und Lehrer den nicht leichten Alltag meistern, welche guten Ergebnisse sie erzielen in Zuständen, die wir als unmöglich bezeichnen würden, aber für ugandische Verhältnisse hervorragend sind, und welches Leistungsniveau sie dabei erreichen. Viele Schüler können ohne Weiteres ein deutsches Abitur bestehen. Besser ist auch die Versorgung der Schulen mit Computern, die nicht ans Internet angeschlossen sind, aber speziell für dortige Verhältnisse mit allen Programmen einschließlich einer Offline-Bibliothek ausgerüstet sind.
Was wichtig ist:
wenn irgend möglich, die Unterstützung einzelner Schüler durch Stipendien. 360 Euro im Jahr helfen dem einzelnen Kind und der Schule insgesamt.
die Versorgung mit Büchern zum Lesen und vor allem über Humanismus (in Englisch),
die Unterstützung der Bauvorhaben durch entsprechende Spenden.
Eine Verbesserung der Lehrergehälter, um gute Lehrer zu halten. Dazu dient auch die Möglichkeit, ihnen Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, was beide Schulen anstreben.
Man kann hier mit relativ wenig Geld sehr viel erreichen, und es ist gut angelegt, nicht nur zur Förderung dieser jungen Menschen, auch zur Verbreitung humanistisch-freigeistiger Ideen und zur Unterstützung eines toleranten und achtungsvollen Miteinanders in der Gesellschaft. Uganda ist ein sehr religiöses Land. Dies muss man beachten und kann gleichzeitig das Miteinander unterstützen. Spenden können zweckgebunden an den DFW gegeben werden, wir leiten sie an den Uganda Humanist School Trust weiter. Dafür können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Ich bin gerne bereit, die Schulen bei Vorträgen ausführlicher vorzustellen.
Renate Bauer


Provenienzforschung und Restitution an der Bayerischen Staatsbibliothek in München
Foto: Ortrun Lenz, Freigeistige Aktion  für humanistische Kultur e.V., Dr. Stephan Kellner, BSB, Renate Bauer,  Präsidentin Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V, Assunta Tammelleo, Bund für Geistesfreiheit München / (Foto: BSB, I. Gessner)

Am 24. Juli 2017 restituierte die BSB zehn Buchtitel des Kartells der freiheitlichen Vereine in München an den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. Die Ortsgruppe des Kartells wurde 1933 verboten. Diese Bücher waren durch die Geheime Staatspolizei, eine Organisation des NS-Regimes, beschlagnahmt worden. In einigen der Bücher befinden sich auch Besitzstempel von Max Riess, einem der Gründungsmitglieder des Kartells.

Drei Restitutionen von NS-Raubgut: Bayerische Staatsbibliothek gibt insgesamt 56 Bücher zurück
Die Bayerische   Staatsbibliothek (BSB) restituiert aus ihren Beständen 56 unrechtmäßig   erworbene Bücher an zwei Einrichtungen und eine Privatperson und stellt   sich damit ihrer Verantwortung.
Die in  Berlin ansässige Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“  (GNML) erhält 45 unrechtmäßig von der BSB erworbene Titel zurück. Die   Bücher werden am 27.7.2017 in Berlin überreicht - in einem gemeinsamen   Termin mit der Universitätsbibliothek Leipzig und der Zentral- und   Landesbibliothek Berlin, die ebenfalls Bücher an die Loge restituieren.  
Das NS-Regime   hatte die deutschen Freimaurerlogen ab 1933 zur Auflösung gezwungen,   zwei Jahre später die Freimaurer verboten, viele Logenbrüder wurden   verfolgt. Die restituierten Titel waren 1938/39 durch ein Tauschgeschäft mit der SS-Schule „Haus Wewelsburg“ in die Bayerische Staatsbibliothek   gekommen. Bei dieser Transaktion hatte diese vom   Reichssicherheitshauptamt in Berlin als Gegenleistung für eigene   Doppelstücke zahlreiche Bücher aus Freimaurerbibliotheken erhalten. Die   Werke stammen zum Großteil aus der Bibliothek der Loge „Zu den drei   Weltkugeln; einige Bücher gehörten Logen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr wieder errichtet wurden; die GNML ist hier Rechtsnachfolger.  
Am 24.7.2017 restituiert die BSB in München zehn Buchtitel des „Kartells   der freiheitlichen Vereine in München“ an den „Dachverband Freier   Weltanschauungsgemeinschaften e.V.“. Die Ortsgruppe des Kartells wurde   1933 verboten. Diese Bücher waren durch die Geheime Staatspolizei, eine Organisation des NS-Regimes, beschlagnahmt worden. In einigen der   Bücher befinden sich auch Besitzstempel von Max Riess, einem der   Gründungsmitglieder des Kartells.
Bereits am 4.7.2017 gab die BSB eine 1922 erschienene Ausgabe von Rosa   Luxemburgs „Koalitionspolitik oder Klassenkampf?“ an Ernst Grube, den   Urenkel des Eigentümers Wilhelm Olschewski zurück. Im Buch findet sich   der gestempelte Besitzvermerk Wilh. Olschewski. Er weist auf zwei   Münchner Widerstandskämpfer hin, die von den Nationalsozialisten   ermordet wurden. Wilhelm und Wilhelm Olschewski jun., Vater und Sohn,   waren während des 2. Weltkriegs im kommunistischen Widerstand aktiv. Das Buch wurde wohl 1942 konfisziert und schließlich der BSB übermittelt.
Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek: „Die   Bayerische  Staatsbibliothek arbeitet kontinuierlich und zügig daran,   während der NS-Zeit unrechtmäßig erworbene Werke an die Eigentümer oder   ihre Nachkommen zurückzugeben. Mit der öffentlichen Rückgabe der   beraubten Bücher und Handschriften stellt sich die Bibliothek ihrer   Verantwortung für ihre Verstrickung in NS-Unrecht.“
Seit 2003 sucht die Bayerische Staatsbibliothek aktiv und zunächst in   Eigeninitiative nach NS-Raubgut in ihren Beständen: So erhielt 2007 das   Thomas-Mann-Archiv Zürich 78 Bände aus der Bibliothek des   Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers. Die Förderung durch das   Deutsche Zentrum Kulturgutverluste trägt seit 2013 sehr dazu bei, die   Recherchen voranzutreiben und Rückgaben zügig durchzuführen: 2015 konnte das Plocker Pontifikale, das älteste polnische Pontifikale, an die   katholische Kirche in Polen zurückgegeben werden. Vor wenigen Wochen   erst restituierte die BSB gemeinsam mit der Generaldirektion der   Staatlichen Archive Bayerns 44 Werke an die Nachkommen des Münchner   Orientalisten Prof. Karl Süßheim.
Über die Bayerische Staatsbibliothek:
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V.,   genießt als internationale Forschungsbibliothek Weltrang. Mit mehr als   10,3 Millionen Bänden, rund 59.000 laufenden Zeitschriften in   elektronischer und gedruckter Form und knapp 131.000 Handschriften   gehört die Bibliothek zu den bedeutendsten Wissenszentren und   Gedächtnisinstitutionen der Welt. Mit über 1,9 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten   digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek   bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler   Nutzungsszenarien an.

Bildnachweis: Bayerische Staatsbibliothek/Öffentlichkeitsarbeit
Zehn Bücher restituiert die Bayerische Staatsbibliothek an den "Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.".

Ansprechpartner:
Dr. Stephan Kellner | DBB/Bavarica-Referat | Tel. 089/28638-2278 | E-Mail: stephan.kellner@bsb-muenchen.de
Peter Schnitzlein | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Tel.: 089/28 638-2429 | E-Mail: presse@bsb-muenchen.de


Brücken bauen – aus religiöser Überzeugung
Europäischer Unitariertag 2017 mit Teilnehmern aus aller Welt
Eine gelungene Premiere: Der erste Europäische Unitariertag, der am vergangenen Wochenende stattfand, ging am Montag zu Ende. Warum das ein echter Erfolg war.
Aus ganz Europa und sogar aus Japan, Amerika, Australien und Neuseeland sind sie angereist. Rund 340 Teilnehmer trafen sich am verlängerten Pfingstwochenende zum Europäischen Unitariertag im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm. Dabei ging es beileibe nicht nur um religiöse Fragen. Rev. Dr. William F. Schulz, ehemaliger Generalsekretär von amnesty international USA, ging in seinem Vortrag der Frage nach, wie die Demokratie bewahrt werden kann. „Für uns bedeutet Demokratie oft, dass die Bürger eines Landes ihre Meinung ohne Angst vor Verfolgung ausdrücken können und ihre Staatsoberhäupter frei wählen können“, erläuterte Schulz dem Publikum. Doch tatsächlich sei eine wahre Demokratie weit mehr als nur das – „sie hängt von etwas ab, was wir oft Kosmopolitismus nennen“, sagte er. Das seien etwa gemeinsame Werte oder der Geist der Großzügigkeit, alles in allem sei Demokratie aber vor allem ein Lebensgefühl. Besonders der unitarische Glaube beruht auf diesem kosmopolitischen Ideal. „Warum gewinnt aber der Kosmopolitismus nicht und warum schrumpfen Demokratie und Freiheit?“, fragte er in die Runde. Eine Antwort, die Schulz fand, liegt in der Biologie des Menschen verborgen. Jede Mutter und jeder Vater sei gewillt, sein Kind zu schützen. Da niemand wissen könne, ob man einem Fremden trauen kann, vertrauten wir lieber auf unsere gelernten Stereotype und machten Verallgemeinerungen über Menschen, die wir nicht kennen. Der Nationalismus scheint für einige so eine einfache Antwort zu sein, um sich vermeintlich zu schützen.
Doch trotz der derzeit düsteren Aussichten machte Schulz den Unitariern Mut. „Die Geschichte wird nicht von Gott oder der Ökonomie geschrieben, sondern von menschlicher Hand“, erinnerte er. So zählte er einige Beispiele auf, nach denen der Mensch die Welt schon zum Besseren verändern konnte. Während beispielsweise 1975 noch 44 Prozent der Menschen in extremer Armut lebten, sind es heute gerade einmal mehr zehn Prozent. „Natürlich ist es wahr, dass die Ungleichheit zwischen Arm und Reich so groß ist wie nie“, gestand er. Doch auf lange Sicht gesehen sei sehr wohl eine positive Veränderung erkennbar. Außerdem seien die Menschen keine Sklaven ihrer Gene. So würden wir zwar oft auf unsere gelernten Stereotype vertrauen, wüssten aber zugleich, dass sie dumm sind und könnten uns von ihnen lösen. Ein weiterer Weg, wie das funktionieren kann, könne durch Empathie erreicht werden, die durch bewegende Geschichten geweckt würde.
Prof. Dr. Manuela Kalsky zeigte anhand der Bevölkerungsentwicklung in den Niederlanden auf, dass die Mitgliedschaft in nur einer Religionsgemeinschaft auf dem Rückzug ist. Immer mehr Menschen bezeichnen sich als „Mehrfache Gläubige“, die sich zu mehreren Religionen bekennen. Ihr Forschungsprojekt „Ein neues Wir“ sucht nach Wegen zu Gemeinsamkeiten in dieser diversen Welt. Unitarier könnten dabei aufgrund ihres liberalen Religionsverständnisses einen wichtigen Beitrag leisten.
Spätestens, als am Sonntag in der Feierstunde alle Teilnehmer gemeinsam das Lied „Egal was du glaubst, du bist frei“ anstimmten, war klar: Dieser erste Europäische Unitariertag war ein voller Erfolg – auch für das Familienzentrum Neu-Ulm, dem die Sammlung bei der Feierstunde für deren Integrationsprojekte zugutekommt.

Kontakt:
Unitarier - Religionsgemeinschaft freien Glaubens
c/o Prof. Dr. Karsten Urban
karsten.urban@unitarier.de
0160 / 97 360 720
www.unitarier.de

Prof. Dr. Manuela Kalsky
Prof. Dr. William F. Schulz
Tagungsbericht "Macht der Bilder, Macht der Sprache" der Freien Akademie

„Macht der Bilder, Macht der Sprache“ war das Thema der wissenschaftlichen Tagung, welche die Freie Akademie vom 25. bis 28. Mai 2017 in der Frankenakademie Schloss Schney in Lichtenfels durchführte.
Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch den Präsidenten der Freien Akademie, Dr. Volker Müller (Falkensee), verwies der wissenschaftlichen Tagungsleiter Prof. Dr. Walter O. Ötsch (Bernkastel-Kues) in seinem einleitenden Vortrag „Die Bedeutung von Bildern für das `Denken´“ auf die Tatsache, daß die Macht der Sprache von ihrer Fähigkeit abhängt, kräftige innere Bilder im jeweiligen Adressaten hervorzurufen. Davon ausgehend umriss er wichtige inhaltliche Schwerpunkte der Veranstaltung und stellte die einzelnen Vorträge und Vortragenden kurz vor.
Prof. Dr. Pia Knoeferle (Berlin) referierte über „Sprache und Bilder“. Dabei untersuchte sie umfassend den Beitrag und den Einfluss visueller Eindrücke zum Sprachverstehen und stellte aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem Thema vor.
In ihrem Vortrag „Bildlichkeit in der Geschichte der Philosophie“ spannte Dr. Kirstin Zeyer (Nimjegen) den inhaltlichen Bogen vom antiken delphischen „Erkenne Dich selbst“ über die christliche Spätantike (Augustinus), das Mittelalter (Johannes Scottus), die Renaissance (Nikolaus von Kues, René Descartes) bis zur modernen kulturphilosophischen Diagnose von der „Krise der Selbsterkenntnis“ (Ernst Cassirer).
Ursprung und Inhalte der „Werbung für die Soziale Marktwirtschaft“ standen im Mittelpunkt des Beitrages von Dr. Dirk Schindelbeck (Jena). Er verwies eingangs auf die im Hitlerreich liegenden Wurzeln dieser Werbung (z.B. Plakate aus dem Jahr 1937) und schilderte dann ausführlich die Strategie und die Verwendung bestimmter immer wiederkehrender Bilder in den propagandistischen Aktivitäten, welche der Unternehmerverband „Die Waage e.V.“ seit 1952 auf diesem Gebiet unternommen hat (Anzeigenkampagnen, Plakate, Broschüren, Kinofilme). Diese haben letztendlich zur Durchsetzung der CDU-Wirtschaftspolitik von Ludwig Erhard beigetragen.
Ausgehend von der Tatsache, dass der Rechtspopulismus eine Erscheinung in allen europäischen Ländern ist, analysierte Prof. Walter O. Ötsch in seinem Vortrag ausführlich die „Bilder des Rechtspopulismus“. Rechtspopulismus, so seine grundlegende These, ist ein demagogischer Denkmodus, hinter dem ein Bildmodus steht: das Bild einer zweigeteilten Gesellschaft – auf der einen Seite nur gut, nur wahr, immer Opfer; auf der anderen Seite nur böse, nur falsch, immer Täter. An zahlreichen Beispielen demonstrierte er, dass in diesem rechtsdemagogischen Denken Eskalationsspiralen eingebaut sind, die eine ernste Gefahr für die Demokratie beinhalten.
Im Mittelpunkt der Ausführungen von Prof. Dr. Silja Graupe (Bernkastel-Kues) über „Sprache und Beeinflussung in der ökonomischen Bildung“ stand die Frage, wie ökonomische Bilder in der ökonomischen Bildung, vor allem in den Standardlehrbüchern der ökonomischen Bildung geprägt werden. Gibt es eine Indoktrination in der ökonomischen Bildung, eine Überbetonung marktwirtschaftlicher Frames? Zusammenfassend plädierte sie für eine stärkere Berücksichtigung solcher Frames wie Umweltschutz oder soziale Gerechtigkeit in der politischen Bildung.
In einem Kurzvortrag stellte Tina Beyer (Berlin) das im Jahre 2016 erschienene Buch „Was für Lebewesen sind wir?“ des US-amerikanischen Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky vor.
Ausgangsthese des Vortrages von Dr. Stephan Pühringer (Linz) über „Bilder der ÖkonomInnen zur Finanzkrise 2008“ war die Frage, wieso dieses einschneidende Ereignis zu keiner fundamentalen Neuausrichtung der ökonomischen Wissenschaft im deutschsprachigen Raum führte? Er konstatierte, dass es zwar zu einer kurzen Phase der Selbstreflexion der ökonomischen Theorie kam, dass diese aber auf ökonomischer, politischer wie medialer Ebene sehr früh von sog. Staatsschulden-, Eurokrisen- und Staatshaushaltsdiskursen überlagert wurde. In diesen Diskursen wurden bestimmte Bilder/Metaphern wie Finanzkrise als „Krankheit“, als „Naturereignis“ bzw. „Naturkatastrophe“ benutzt, wodurch alternative Diskurse verhindert werden sollten und verhindert wurden.
Alle Vorträge waren Ausgangspunkt für intensive Diskussionen der Tagungsteilnehmer.
Dr. Wolfgang Heyn
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü