
Berichte und Standpunkte, Schriftenreihe für freigeistige Kultur, Heft 30
Kann es lebensgefährlich sein, nicht an Gott zu glauben?
Jeder Mensch sollte frei entscheiden können, ob er einer Religion angehören möchte oder nicht. Das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Doch in vielen Ländern werden Menschen diskriminiert, bedroht oder verfolgt, weil sie religiöse Überzeugungen ablehnen, Glaubensvorstellungen kritisieren oder sich öffentlich als Atheisten und Humanisten bezeichnen.
Der von Renate Bauer herausgegebene Band „Humanismus unter Verfolgung – Bedrohte Humanisten“ dokumentiert die Situation nichtreligiöser Menschen in verschiedenen Ländern und untersucht die Ursachen ihrer Diskriminierung.
Ausgangspunkt ist der internationale „Freedom of Thought Report“, mit dem die humanistische Weltorganisation die rechtliche und gesellschaftliche Situation religionsfreier Menschen weltweit untersucht. Renate Bauer erläutert, nach welchen Kriterien dieser Bericht die Gedankenfreiheit bewertet. Dabei geht es um staatliche Gesetze, das Bildungssystem, gesellschaftliche Ausgrenzung und die Möglichkeit, humanistische oder religionskritische Überzeugungen öffentlich zu vertreten. Bob Churchill stellt die Situation in Deutschland, Belgien und Syrien gegenüber. Die Beispiele verdeutlichen, wie unterschiedlich Religionsfreiheit verwirklicht wird und welche Rolle staatliche Strukturen und gesellschaftliche Verhältnisse dabei spielen. Ein weiterer Beitrag untersucht, wodurch sich die Verfolgung von Humanisten von der Diskriminierung religiöser Minderheiten unterscheidet. Auch die Geschichte wird einbezogen: Renate Bauer erinnert daran, dass Atheismus und der Kampf um Glaubensfreiheit bereits in früheren Jahrhunderten Anlass für Verfolgung und Unterdrückung waren. Besonders eindringlich sind die persönlichen Berichte. Madani Mohamed Lamine schildert seine Erfahrungen als Betroffener. Ahmed Nadir beschreibt die Gefahren, denen säkulare Aktivisten in Bangladesch ausgesetzt sind. Die Beiträge machen deutlich, dass Religionsfreiheit weit über den Schutz religiöser Gemeinschaften hinausgeht. Sie schließt das Recht ein, keiner Religion anzugehören, religiöse Vorstellungen zu kritisieren und eine eigene Weltanschauung frei zu vertreten. Der Band dokumentiert die Situation im Jahr 2018 und bietet zugleich grundlegende Informationen über Mechanismen religiös begründeter Diskriminierung.
Ein aufschlussreicher Band für Leser, die sich für Menschenrechte, Religionsfreiheit, Atheismus und Humanismus interessieren und verstehen möchten, warum freies Denken in vielen Teilen der Welt noch immer Mut erfordert.
Hier erhältlich: DFW-Heft 30
