Erkennen, wer wir wirklich sind

März 29, 2026 | Blog | 0 Kommentare

von Silvana Uhlrich-Knoll | 10.03.2026

Es ist für mich überraschend und stimmt mich sehr nachdenklich, dass sich unsere progressiven Ansichten immer weiter von den geglaubten gesellschaftlichen Erwartungen entfernen. Das Bild der Männlichkeit bzw. das sogenannte männliche Ideal scheint einen enormen Druck auf die junge Generation auszuüben, sowie wir Frauen das Zeit unseres Lebens mit dem Begriff

Schönheitsideal wahrscheinlich empfinden werden. Leider wirft uns das als Gesellschaft in traditionelle Verhaltensweisen zurück, die wir schneller propagieren oder befürworten, bevor wir

überhaupt verstehen, wie rückwärtsgewandt dieses Denken zur heutigen Zeit ist.

Ja, die Aufklärung hat nicht nur im 18. Jahrhundert stattgefunden, aber es fühlt sich nach einem Rückwärtsgang bei allen Errungenschaften an, die bereits erkämpft wurden. Wieder müssen wir viel Zeit damit verbringen, Überzeugungen und Werte ständig zu kommunizieren und Aufklärungsarbeit zu leisten. Doch eines ist genauso gewiss: Nur, wenn wir darüber sprechen und verstehen, wo die Gründe liegen, können wir daran arbeiten und etwas verändern. Schon Suffragetten waren mutige Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht in Großbritannien kämpften. Sie demonstrierten, sie traten in den Hungerstreik und zeigten zivilen Ungehorsam, um Aufmerksamkeit für ihre Forderungen nach Gleichberechtigung zu erlangen. Dieser Kampf war entscheidend für die Einführung des Frauenwahlrechts. Somit standen die Suffragetten am Anfang der modernen Frauenrechtsbewegung und gelten noch heute als Symbol für den Kampf um Gleichberechtigung.

Auch an vergangenen Wochenende sind Frauen weltweit auf die Straße gegangen, um für die Rechte der Frauen einzustehen. Unter dem Slogan „Wenn wir anhalten, halten wir die Welt an“

demonstrierten einst in Spanien viele Frauen, aber auch in Berlin sind mehrere Zehntausende zum diesjährigen Internationalen Frauentag auf die Straße gegangen. Das Besondere daran ist, dass

es nicht nur Frauen sind, die sich dort zusammenfinden. Über 30.000 Teilnehmende auf zehn Versammlungen wurden im ganzen Stadtgebiet gezählt. Wie wichtig doch dieser Protest für eine

starke Rolle der Frau und ihre Gleichberechtigung ist, hat auch das Motto der Frauenproteste im Iran 2022 „Frau, Leben, Freiheit“ gezeigt. Eine Künstlerin sang auf der Bühne ein Lied für die

politischen Gefangenen im Iran und ein Land stimmte mit ein. Nicht nur Frauen haben erkannt, wie wichtig es ist, die rechtliche Diskriminierung von Frauen zu beenden und dass es keine

Toleranz für geschlechtsspezifische Gewalt gibt. Der UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich mit starken Worten zum Weltfrauentag. Er sagte: "Die Freiheit wächst, wenn Macht

geteilt wird.“ (Quelle: Tagesspiegel)

Ein Radio 1-Hörer reagierte bei der Freitagssendung „Der Weber“ zum Thema Weltfrauentag darauf nur mit den angeblichen Worten seiner Frau: „Blablabla“. Schade, dass seine Frau dazu nicht  selbst Stellung bezogen hat. Wäre es doch wichtig, die Stimme der Frau zu hören und sie nicht durch ihren Mann sprechen und vertreten zu lassen. Fühlt sie sich denn überhaupt von ihm vertreten oder hat er es eigensinnig entschieden, in ihrem Namen zu sprechen? Und ist es denn ein Problem, wenn viele Frauen das anders sehen? Ist es deswegen nicht besonders wichtig, noch einmal genau hinzuschauen? Weltweit verfügen Frauen über weitaus weniger Rechte als Männer. Der Freedom of Through Report der Humanists International malt ein düsteres Bild von Unterdrückung, Folter und geschlechtsspezifischer Gewalt, einschließlich sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch. Dies stellt leider immer noch einen entsetzlichen Vertrauensbruch und einen Verstoß gegen die Menschlichkeit dar.

Die Lücke zwischen den Ideologien scheint zu wachsen und die Sorge ist groß, dass sich das Zusammenleben von Männern und Frauen dadurch auch immer schwieriger gestaltet. Hoffen wir darauf, dass dies nicht zu unüberwindbaren Grenzen führt, sondern auf der Suche nach Sicherheit für jedermann und jede Frau ein konsequentes Eintreten für die Menschenwürde aller

bedeutet und allen Unterstützung anbietet, die diese benötigen. "Jede und jeder ist gleich" sollte nicht nur eine leere Worthülse im Gesetzblatt sein, sondern von uns gelebt, geachtet und geschützt werden.