von Silvana Uhlrich-Knoll | 04.11.2025
Worte sind mehr als bloße Zeichen auf Papier oder flüchtige Klänge in der Luft – sie besitzen Macht. Mit einer Äußerung können Menschen überzeugen, trösten, aufrütteln oder verletzen. Ob in der Politik, in den Medien oder im privaten Gespräch: Sprache gestaltet unser Denken und Handeln. Die Kraft der Äußerung liegt darin, dass sie die Realität nicht nur beschreibt, sondern sie aktiv mitgestaltet. Wer spricht, nimmt Einfluss – und trägt Verantwortung für das, was durch Worte in Bewegung gesetzt wird.
Wadephuls Äußerung über Syrien ließ mich im besten Sinne sprachlos zurück. Selten erlebt man in der politischen Debatte eine so klare, faktenbasierte Argumentation. Er sprach nicht aus der Ferne, sondern aus eigener Erfahrung: Wadephul war selbst in Syrien und konnte sich vor Ort ein Bild von der Lage machen. Seine Einschätzung, dass Syrien derzeit (noch) kein sicherer Ort für eine Rückkehr sei, beruht auf unmittelbarer Beobachtung – nicht auf theoretischen Annahmen. Umso befremdlicher wirkte es, als andere Politiker schon am ersten Tag nach dem Sturz Assads davon sprachen, die syrischen Geflüchteten gedanklich sofort wieder in ihre Heimat zu schicken. Solche vorschnellen Forderungen und Äußerungen ignorieren die komplexe Realität eines Landes, das trotz politischer Veränderungen noch lange nicht zur Ruhe gekommen ist. Wie mutig ist somit dieser Schritt von unserem Außenminister, in dem er ein anderes Licht auf die jetzige Situation wirft und die Realität nicht verklärt.
Dagegen ist die Aussage, dass die Baseballschlägerjahre wieder da sind, bewusst provokant gestellt und weckt starke Assoziationen. Dieser Begriff steht sinnbildlich für die frühen 1990er-Jahre in Ostdeutschland – eine Zeit, in der rechtsextreme Gewalt nach der Wende vielerorts offen auftrat und von der Gesellschaft oft verharmlost oder verdrängt wurde. Wenn man diesen Ausdruck heute verwendet, signalisiert man eine alarmierende Parallele zur Gegenwart: das Wiedererstarken rechtsextremer Gruppen, zunehmende Gewaltbereitschaft und auftretende Einschüchterungen auf der Straße. Es bringt die Sorge zum Ausdruck, dass sich unsere deutsche Geschichte in gewisser Weise wiederholen könnte – und dass demokratische Kräfte erneut gefordert sind, klar Haltung zu zeigen.
Genau passend dazu ist der Roman „Wir waren wie Brüder“ von Daniel Schulz, der eindrucksvoll und schonungslos ehrlich über die Jugend, Gewalt und Orientierungslosigkeit in der Nachwendezeit erzählt. Der Autor, der selbst in Brandenburg aufwuchs, verarbeitet darin eigene Erfahrungen und zeichnet ein präzises, bedrückendes Bild jener Zeit, in der viele Jugendliche zwischen Zukunftsangst, Perspektivlosigkeit und einer verrohten Gesellschaft nach Halt suchten. Dieser Roman ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Zeit nach der Wiedervereinigung und zugleich eine literarisch dichte Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und der Frage, wie man sich von seiner Vergangenheit lösen kann.
Auch der DFW leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung zentraler gesellschaftlicher Themen.
Der Angelika Lenz Verlag als wichtiger Partner des DFW macht seine Themen nicht nur über Bücher und die DFW-Schriftenreihe zugänglich, sondern bietet auch digitale und mediale Formate, um gesellschaftliche, politische und kulturelle Fragestellungen einem breiteren Publikum näherzubringen. Der Blog des Verlags ergänzt die Veröffentlichungen durch vertiefende Beiträge, Interviews und Hintergrundartikel, die Themen in einen größeren gesellschaftlichen Kontext stellen und so Raum für Austausch, Reflexion und engagierte Diskussion schaffen. Gleichzeitig sorgt die Pressearbeit des Verlags dafür, dass Autorinnen und Autoren sowie ihre Werke und Ideen regelmäßig in verschiedenen Medienformaten vorgestellt werden. Auf diese Weise versteht sich der Verlag nicht nur als Herausgeber, sondern auch als aktiver Impulsgeber im öffentlichen Diskurs – mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln, Denkanstöße zu geben und eine offene, informierte Debatte zu fördern.
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