Vor 150 Jahren wurde in Worms der Grundstein für die heutige Religionsgemeinschaft der Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens gelegt. Vom 2. bis 4. Oktober 2026 erinnert die Gemeinschaft am historischen Ausgangspunkt an ihre Geschichte und verbindet das Jubiläum mit einem Wochenende unter dem Motto „Freireligiös – Ganzheitlich – Vielfältig“.
Die Wurzeln reichen zurück in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Zuge der Neuordnung kirchlicher Angelegenheiten und der Bestrebungen nach einer stärkeren Trennung von Staat und Kirche wuchs auch innerhalb des evangelischen Kirchenvolks in Hessen der Wunsch nach mehr Mitwirkung, Selbstbestimmung und Einfluss von Laien.
Am 5. November 1876 gründeten sich in Worms die „Freiprotestanten“. Grundlage sollte zwar weiterhin die Lehre Christi sein, jedoch nicht die Bindung an kirchliche Dogmen. „Wahrheit und Freiheit“ gehörten zu den zentralen Leitgedanken der neuen Gemeinschaft. Daraus entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte ein zunehmend eigenständiges Verständnis religiöser Freiheit.
Offenheit gegenüber neuen geistigen Strömungen, die Ablehnung von Glaubenszwang und die Forderung nach gleicher religiöser Freiheit für alle Menschen führten auch zu einer Annäherung an den angelsächsischen Unitarismus. Eine wichtige Rolle spielte dabei Rudolf Walbaum, Pfarrer der Freiprotestanten und Prediger der Freireligiösen Gemeinde in Worms. 1927 entstand der „Deutsche Unitarierbund für freie religiöse Kultur“.
Die weitere Entwicklung wurde durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg, durch Neuausrichtungen, Zusammenschlüsse und Abspaltungen geprägt. Heute versteht sich die bundesweit vertretene Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens K.d.ö.R. als demokratisch organisierte Laiengemeinschaft und ist mit verwandten Bewegungen in anderen Ländern verbunden.
Das Jubiläumswochenende in Worms verbindet den Blick auf diese 150-jährige Geschichte mit aktuellen Fragen. Am Sonntagvormittag gestaltet Dorothea Kaufmann eine Feierstunde. Ein interaktiver Workshop beschäftigt sich unter dem Titel „Wie entsteht Identität?“ mit Gruppenzugehörigkeit, Individualität und Freiheit.
Zum Programm gehören außerdem Führungen durch das historische Worms. Am Samstag stehen unter anderem Altstadt, Stadtbefestigung, Lutherdenkmal und Kaiserdom auf dem Programm. Am Sonntagnachmittag führt ein weiterer Rundgang durch das jüdische Worms mit Synagoge und dem rund tausendjährigen jüdischen Friedhof.
Das Jubiläumswochenende findet statt vom
02.-04. Oktober 2026
in der Jugendherberge Worms, Dechaneigasse 1, 67547 Worms
Weitere Informationen und Anmeldung zur Feierstunde am Sonntag sowie zum anschließenden Mittagessen und zur optionalen Stadtführung:

