von Silvana Uhlrich-Knoll |
Gerade erst ein Jahr zuvor musste bekannt gegeben werden, dass aufgrund von Sicherheitsbedenken und dem verschlechterten und zunehmenden Nationalismus in den USA es nicht möglich sein wird, den geplanten Weltkongress 2026 in Washington D.C. durchzuführen. Glücklich darüber, dass dieser nicht wie der Kongress 2020 in Miami komplett abgesagt werden musste, haben die Kanadier einen bemerkenswerten Event in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt.
Ich blicke auf einen nicht nur gut organisierten, sondern auch sehr erfüllenden Kongress in Kanada zurück. Zweieinhalb Tage Programm (7.-9. August), in denen durch parallel stattfindende Angebote auch die Generalversammlung der Humanists International eingebunden war, hinterlassen einen frischen Wind, viele gute Gespräche während der einzelnen Programmpunkte, aber auch zwischen den Zeilen in den Pausen. Dennoch war es weit mehr. Die Grundstimmung des Kongresses war wertschätzend und hat den Menschen vor Ort ein Gefühl von Zusammenhalt, Stärke und gemeinsames Engagement vermittelt, da wir alle in dieser Welt mit politischen Unruhen, Gefahren und gravierenden Veränderungen bis hin zu undemokratischen Strukturen konfrontiert sind. Somit haben die Teilnehmenden nicht nur Widerstandskraft erfahren, wie der Titel des Kongresses es schon verdeutlichte, sondern überall flüsterte ein weiteres wichtiges Element durch die Flure und Räume – Hoffnung.
Humanist Canada hat mit einer großartigen Unterstützung der amerikanischen und helfenden Organisationen eine Veranstaltung erschaffen, die uns alle durch die Tage getragen hat. Das das Bedürfnis für einen Austausch untereinander sehr groß ist, zeigten schon die Teilnehmerzahlen, denn die Veranstaltung, an der über 500 Humanisten aus 41 Ländern teilnahmen, war ausverkauft. „Humanismus als Widerstand“ war das Thema und somit wurde eine direkte Auseinandersetzung mit den globalen Bedrohungen gewählt. Emotionale und selbstreflektierende Berichte von Menschen aus aller Welt ließen uns berührt, aufgerüttelt, bereichert, aber auch nachdenklich zurück. Viele genossen sichtlich den Austausch auf Augenhöhe, schöpften Kraft durch interessante Strategien anderer und das Gefühl von Wertschätzung und Respekt zueinander.
Hochrangige Redebeiträge von Autoren und Professoren (Rebecca Goldstein, Prof. Francesca Klug, A.C. Grayling), klärende Fakten zur Gefahr von Missinformationen, eindringliche Worte von Teilnehmenden aus Krisengebieten, aber auch sehr persönliche und emotionale Einsichten von mehreren Politikern aus verschiedenen Ländern (Vertreter der Politik aus Island, Kanada, Norwegen und Großbritannien) rundeten diesen Grundtenor ab.
Im Einklang dazu wurde auch die diesjährige „Ottawa-Erklärung zum Humanismus als Widerstand“ verabschiedet. Die Erklärung zeigt deutlich, dass der Humanismus eine aktive Lebenseinstellung ist und sich dabei gegen jede Form von Autoritarismus und Kriegstreiberei wendet. Darüber hinaus wird der Aufruf nach Engagement für mehr Mut und Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit laut.
Auch die Generalversammlung der Humanists International wurde genutzt, um bestehende Strukturen zu überprüfen und um die Einrichtung einer Wahlkommission und Amtszeitbeschränkungen für den Vorstand zu besprechen. Die neu gewählten Vorstandsmitglieder zeigen die internationale Spannweite des Netzwerkes. Leo Igwe/Nigeria wurde ins Amt des Vizepräsidenten gewählt, Adrián Núñez/Peru als Mitglied für Latein Amerika, A.J. Surin/Malaysia für Asien und Alavari Jeevathol als junges Vorstandsmitglied unter der Altersgrenze von 35 Jahren. Im nächstes Jahr schaut die internationale Gemeinschaft der Humanisten Richtung Südamerika und lädt im August 2027 zum Welthumanistenkongress in Lima, Peru.

