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Aktuelles
An die Abgeordneten des Bundestages:
Aufruf zur Unterstützung eines säkularen Staates
Sehr geehrte Abgeordnete,
angesichts des Papstbesuches im Deutschen Bundestag und des Attentates von einem christlichen Fundamentalisten in Norwegen auf eine offene Gesellschaft wird deutlich, dass in einer zum globalen Dorf zusammenwachsenden Welt der Säkularismus in der Politik gestärkt werden muss. Säkularismus in der Politik scheint nach internationalen Gepflogenheiten die staatliche Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen und deren Institutionen am besten zu garantieren, fordert und fördert Toleranz und die aktive demokratische Mitwirkung aller Bürger unabhängig von religiösen und weltanschaulichen Einstellungen. Norwegen beschreitet als Antwort auf intolerante Einstellungen mit tödlichen Auswirkungen den Weg zu einer noch offeneren Gesellschaft.
Das Deutsche Parlament hingegen praktiziert eine Einladung für einen Würdenträger, der überkommene Wertvorstellungen mit Absolutheitsanspruch vertritt und öffentlich die wachsende Gruppe der Konfessionsfreien - also ein Drittel der deutschen Bevölkerung - als unmoralisch herabwürdigt.
Eine offene Gesellschaft mit Integrationsfähigkeit, in der der Staat neutral gegenüber Religionen und Weltanschauungen eingestellt ist, kann die Voraussetzungen für die Umsetzung der Menschenrechte am ehesten verwirklichen. Konfessionalisierung und Aufrufe zur Missionierung führen ins Abseits.
Wir beobachten mit Sorge, dass auch in diesem Bereich die Ziele in Deutschland falsch gesetzt werden und die im GG festgelegte Trennung von Kirche und Staat durch Regierung und Parlament nicht praktiziert wird. Nach unserer Auffassung wird somit die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft und die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Konsens in unzulässiger Weise gestört.
Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, bitten wir Sie, ähnlich wie im EU-Parlament, eine Plattform für Säkularismus in der Politik zu gründen und dazu beizutragen, dem gesellschaftlichen Konsens und der Integration in Deutschland eine Perspektive zu geben.
Mit freundlichen Grüßen
Renate Bauer (DFW-Präsidentin)
Horst Prem (DFW-Vizepräsident)
- Antwortschreiben Raju Sharma MdB, Regierungspolitischer Sprecher, Mitglied im Rechtsausschuss
- Antwortschreiben Agnes Malczak MdB, Abrüstungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
- Antwortschreiben Till Seiler MdB