2011 - Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.

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2011

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Stellungnahme der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz
zum Artikel "Plädoyer für den Erhalt der Religionsfreiheit",
Rheinpfalz, Donnerstag, 8.12.2011 (Südwestdeutsche Zeitung)

Religionsfreiheit ist nicht Freiheit für Kirchen allein

Der Bericht über die Aussagen von Kirchenpräsident Christian Schad macht deutlich, dass einiges durcheinander geworfen wird, denn Religions- und Weltanschauungsfreiheit, wie sie vom Grundgesetz garantiert wird, ist eine Freiheit des einzelnen Menschen, nicht einer lnstitution.
Einzelne Menschen haben das Recht, sich zu Gemeinschaften religiöser und weltanschaulicher Art zusammenzuschließen, woraus sich aber noch keine Bevorzugung bestimmter Formen derartiger Zusammenschlüsse ableiten lässt. Kirchen als lnstitutionen sind zwar Ausdruck dieser Freiheit, können aber für sich daraus keine Sonderrechte ableiten wie es weiterhin getan wird, wenn Kirchenvertreter z. B. eine Sonderrolle bei Anhörungen zu Gesetzen erhalten.
Falsch informiert ist Schad auch, was die Ablösung von Staatsleistungen, wie sie u. a. von Lindner gefordert werde, angeht, denn diese Forderung bezieht sich nicht auf die staatliche Unterstützung für kirchliche Kindergärten, sondern beinhaltet das Ende jener Staatsleistungen, auf das der Staat schon in der Weimarer Verfassung verpflichtet wurde, vom Grundgesetz übernommen und bis heute nicht umgesetzt wurde. Der grundgesetzlich verankerte Religionsunterricht durchbricht die ebenfalls verankerte Trennung von Staat und Kirche, vor allem auch deswegen, weil längst nicht alle Religionen und Weltanschauungen solchen Unterricht erteilen können auch aufgrund von staatlichen Vorgaben, die sich an der institutionellen Form von Kirche orientieren, was wiederum eine Verletzung der Religionsfreiheit darstellt.
Auch der Staat hat Antworten auf lebenspraktische Fragen junger Menschen im Unterricht zu geben, so den Wert von Demokratie und Menschenrechten zu vermitteln, und er hat einen Auftrag zur objektiven lnformation über Religionen und Weltanschauungen, um damit die subjektiven Antworten der Religionen und Weltanschauungen durch eine breit gefächerte lnformation zu ergänzen und damit die lntegration und das gegenseitige Verständnis in einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft zu fördern.

Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz
Siegward Dittmann (Präsident)
Renate Bauer (Landesspregerin)

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DFW unterstützt Petition des Fachverbandes Werte und Normen e.V.
betr. Forderung nach Einhaltung der Rechtsvorschriften gemäß $128, Abs. 2 Niedersächsisches Schulgesetz durch das niedersächsische Kultusministerium, das Fach Werte und Normen betreffend, eingereicht durch den Fachverband Werte und Normen e.V.

In seinen Grundsätzen spricht sich der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften ausdrücklich für eine allgemeine Einführung eines Schulfaches „Lebenskunde, Ethik, Religionen“ aus, in denen gerade die über die Philosophie hinausgehenden Fragen religiös-weltanschaulicher Natur und gesellschaftlich relevante Themen besprochen und unterrichtet werden. Schon 1997 in seinen Helenenauer Erklärung trat er ein für „Die Errichtung eines weltanschaulich-religiös neutralen und werteorientierten Pflichtfaches zu Fragen der Lebensgestaltung, Ethik, Religionen und Weltanschauungen an öffentlichen Schulen.“ ... weiter
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An die Abgeordneten des Bundestages:

Aufruf zur Unterstützung eines säkularen Staates

Sehr geehrte Abgeordnete,

a
ngesichts des Papstbesuches im Deutschen Bundestag und des Attentates von einem christlichen Fundamentalisten in Norwegen auf eine offene Gesellschaft wird deutlich, dass in einer zum globalen Dorf zusammenwachsenden Welt der Säkularismus in der Politik gestärkt werden muss. Säkularismus in der Politik scheint nach internationalen Gepflogenheiten die staatliche Neutralität gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen und deren Institutionen am besten zu garantieren, fordert und fördert Toleranz und die aktive demokratische Mitwirkung aller Bürger unabhängig von religiösen und weltanschaulichen Einstellungen. Norwegen beschreitet als Antwort auf intolerante Einstellungen mit tödlichen Auswirkungen den Weg zu einer noch offeneren Gesellschaft.
Das Deutsche Parlament  hingegen praktiziert eine Einladung für einen Würdenträger, der überkommene Wertvorstellungen mit Absolutheitsanspruch vertritt und öffentlich die wachsende  Gruppe der Konfessionsfreien - also ein Drittel der deutschen Bevölkerung - als unmoralisch herabwürdigt.
Eine offene Gesellschaft mit Integrationsfähigkeit, in der der Staat neutral gegenüber Religionen und Weltanschauungen eingestellt ist, kann die Voraussetzungen für die Umsetzung der Menschenrechte am ehesten verwirklichen. Konfessionalisierung  und Aufrufe zur Missionierung führen ins Abseits.
Wir beobachten mit Sorge, dass auch in diesem Bereich die Ziele in Deutschland falsch gesetzt werden und die im GG festgelegte Trennung von Kirche und Staat durch Regierung und Parlament nicht praktiziert wird. Nach unserer Auffassung wird somit die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft und die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Konsens in unzulässiger Weise gestört.
Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, bitten wir Sie, ähnlich wie im EU-Parlament, eine Plattform für Säkularismus in der Politik zu gründen
und dazu beizutragen, dem gesellschaftlichen Konsens und der Integration in Deutschland eine Perspektive zu geben.
         Mit freundlichen Grüßen
         Renate Bauer (DFW-Präsidentin)
         Horst Prem (DFW-Vizepräsident)

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Antwortschreiben Raju Sharma MdB, Regierungspolitischer Sprecher, Mitglied im Rechtsausschuss
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Antwortschreiben Malczak MdB, Abrüstungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
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Antwortschreiben Till Seiler MdB
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Geprüfte „Lebensqualität“
durch „Grünen Haken“ besiegelt
Altenheim der Freireligiösen in Mannheim ausgezeichnet

Das Karl-Weiss-Heim, Seniorendomizil am Lauerschen Garten, darf sich nun offiziell „verbraucherfreundlich“ nennen. Träger des Heimes ist der Freireligiöse Wohlfahrtsverband Baden, Ortsverband Mannheim. Das Haus wird im Sinne einer gemeinnützigen Einrichtung geführt. Freiwillig hat sich die Einrichtung einer Begutachtung durch Gutachter der unabhängigen Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (BIVA) e.V. gestellt und mehr als 80 Prozent der von der BIVA zugrunde gelegten Kriterien für Lebensqualität im Altenheim erfüllt.
Dafür wurde Einrichtungsleiterin Barbara Vonderschmitt am 17.09.2011 die Urkunde mit dem „Grünen Haken“ überreicht, auf die MitarbeiterInnen und BewohnerInnen sehr stolz sind. „Seit heute haben wir es schwarz auf weiß. Respektvoller Umgang, Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind für unsere Bewohner und Bewohnerinnen in unserer Einrichtung jederzeit gewährleistet“, freut sich Barbara Vonderschmitt. Dies wird nun besiegelt durch die Urkunde mit dem „Grünen Haken“.
Geprüft wurden 121 Kriterien, die die Kategorien Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde umfassen. Das Begutachtungsverfahren wurde unter Berücksichtigung der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen von Experten des Instituts für Soziale Infrastruktur (ISIS) entwickelt. Dabei geht es vorrangig um die Erhaltung der Eigenständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner, um die Achtung der Privatsphäre, um ihre Selbstbestimmung sowie den freundlichen, respektvollen Umgang mit ihnen.
„Die Detailergebnisse unserer Begutachtung findet jeder Interessierte im Internet unter www.heimverzeichnis.de. Für Angehörige, die ein Heim für ihre pflegebedürftigen Eltern oder Verwandten suchen, ist diese Datenbank eine wichtige erste Informationsquelle. Wir hoffen, dass dadurch mehr Suchende auf unsere Einrichtung, die Lebensqualität bietet, aufmerksam werden. Man erkennt das am ‘grünen Haken’ neben dem Namen unserer Einrichtung“, so Einrichtungsleiterin Barbara Vonderschmitt.

Freireligiöser Wohlfahrtsverband Baden
Ortsverband Mannheim

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DFW unterstützt die aktuelle Friedenserklärung der IHEU
Der humanistische Weltkongress 2011, der sich vom 12. bis 14, August 2011 in Oslo, Norwegen versammelte, verabschiedete folgende Erklärung zum Frieden:

Osloer Erklärung zum Frieden
Viele Humanisten, von den Carvake Lehrern des alten Indien bis zu Bertrand Russell und von den Epikuräern des antiken Europa bis zu Jawaharlal Nehru, arbeiteten hart für den Frieden. Ausgehend davon, dass wir individuelle Menschenleben für einen unersetzlichen Wert halten, und annehmen, dass alle Probleme der Menschheit im Hier und Jetzt gelöst werden müssen und wir dem aktiven Gebrauch menschlicher Vernunft und Empathie zu ihrer Lösung verpflichtet sind, glauben wir:
1.   Alle Kriege werden von Menschen begonnen und Krieg kann durch die Zusammenarbeit von Menschen beendet werden. Ein gewalttätiger Konflikt  ist sehr zerstörerisch, ruiniert Leben, verschwendet Ressourcen und vernichtet die Umwelt. Manchmal mag er der einzige Weg sein, um größeres Unheil zu verhüten, aber er sollte nur das letzte Mittel sein und wir sollten daran arbeiten, das zu beenden.
2.   Dies ist möglich. So wie menschliche Wissenschaft uns die Möglichkeit zur völligen Vernichtung gab, so kann menschliches Verstehen der Menschheit uns helfen, die Ursachen von Krieg zu erkennen und zu überwinden. Wir sind biologisch nicht festgelegt auf unausweichlichen gewalttätigen Konflikt und unsere Natur als soziale Lebewesen kann tatsächlich eine Quelle für Frieden sein, aber wir müssen hart arbeiten und bewusste ethische Entscheidungen zur Kontrolle unseres Handelns treffen.
3.   Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden verlangt die Achtung für den Wert und die Würde unserer Mitmenschen, Toleranz zwischen den Individuen und Harmonie im einzelnen Menschen. Er verlangt ferner eine globale Gerechtigkeit anstelle der globalen Ungleichheiten, nicht zuletzt die Beseitigung von Hunger und Durst in einer Welt, die Überfluß produziert.
4.   Die übermäßige Waffenansammlung auf der ganzen Erde ist eine Bedrohung des Friedens. Der Aufbau der Bewaffnung verschwendet Ressourcen, die besser zur Beseitigung von Armut und zur Versorgung mit Bildung, Gesundheits- und anderen öffentlichen Diensten benutzt würden. Ein Waffenrennen bewirkt politische und militärische Instabiliät und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Krieg, daher ist die Arbeit für Entwaffnung ein wichtiger Schritt in die Richtung eines stärker gesicherten Friedens.
5.   Die Vereinten Nationen, wie in der ursprünglichen Stiftungsurkunde vorgesehen, bleiben das beste vorhandene internationale Vehikel für die Förderung von Frieden und Zusammenarbeit. Wir sollen alle unsere nationalen Regierungen dazu bringen, den Prinzipien der VN-Verfassung jederzeit zu folgen und für eine bessere VN zu arbeiten.
6.   Jedoch können Friedensinitiativen nicht allein den Regierungen überlassen werden. Als Individuen müssen wir für Frieden in unserem Leben arbeiten. Wir müssen auch in unserer Nachbarschaft, Ländern, Netzwerken und Organisationen, an denen wir teilhaben, für die Förderung von Frieden zwischen uns und an einer friedfertigen Haltung gegenüber anderen arbeiten.
7.   Unglücklicherweise können selbstbestimmte Gemeinschaften oft besser Frieden zwischen ihren Mitgliedern als zwischen sich und anderen Gruppen fördern. Ein gesunder Stolz auf unsere Traditionen und  Völker kann zu leicht in einen ungesunden Wettbewerb mit oder gar in Verachtung für andere Menschen umschlagen. Zu oft greifen Gemeinschaften auf die geteilte Feindschaft gegenüber einem gemeinsamen Feind als Mittel zur Stärkung der inneren Einheit zurück. Menschen müssen ständig danach streben, diese Unterscheidungen zu überwinden und für die Unterstützung der gemeinsamen Menschenrechte und Menschenwerte zusammen zu arbeiten.
8.   Staaten sollen sich in Richtung von Demokratie und Säkularismus bewegen, um sicherzustellen, dass alle Individuen, welche kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit sie auch haben, gleich in der Gesellschaft behandelt werden und sie sollen den Dialog zwischen Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen unterstützen, um Spannungen abzubauen und gegenseitiges Verstehen zu vergrößern.
9.   Ein dauerhafter Frieden muss dynamisch sein, nicht statisch. Wir müssen den lärmenden Frieden der lebendigen Stadt suchen und nicht zu dem stillen Frieden der Gräber flüchten wollen. Frieden ist ein aktiver und andauernder Prozess, eine Methode, um Probleme gerecht und ohne Gewalt zu lösen.
Wir verpflichten uns dazu, für eine friedlichere Welt zu arbeiten, indem wir Humanisten aus den verschiedenen Nationen befähigen, sich zu einer globaleren Humanistengemeinschaft zu vernetzen, indem wir friedliche Interaktion zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen ermutigen, und unsere Delegationen zu den VN und anderen internationalen Institutionen zur Standhaftigkeit bei der Förderung einer friedlichen globalen Kultur verpflichten.
Wir bekräftigen die grundlegende Bedeutung von Bildung seit früher Kindheit und während des ganzen Lebens für den Aufbau einer friedlicheren Kultur und unterstützen alle nationalen und internationalen Entwicklungen, die Friedenserziehung fördern.
Wir fordern alle unsere Mitgliedsorganisationen und Humanisten weltweit auf, für eine friedlichere Kultur in ihren eigenen Nationen zu arbeiten und fordern alle Regierungen auf, eine friedliche Lösung von Konflikten der Alternative von Krieg und Gewalt vorzuziehen.
Am 15. 10. 2011 beschloss das Präsidium des DFW: Der DFW schließt sich der "Erklärung zum Frieden" an und fordert auf, stärker als bisher schon bestehende Legislativ-Organe wie den internationalen Strafgerichtshof (ICC) in diese Arbeit einzubinden.
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Der DFW schließt sich der IHEU-Resolution zur seelsorgerischen Unterstützung im Militär an

Resolution der IHEU hinsichtlich
seelsorgerischer Unterstützung von
konfessionsfreien Militärpersonen

Der humanistische Weltkongress 2011, der sich vom 12. bis 14, August 2011 in Oslo/Norwegen versammelte, verabschiedete folgende Resolution.
Der humanistische Weltkongress 2011 stellt fest:
1.   Militärgeistliche und Berater können eine wichtige Rolle bei der moralischen und emotionalen Unterstützung von Militärpersonen .haben.
2.   Einige Länder wie die Niederlande und Belgien haben humanistische Berater, die neben Militärgeistlichen zur Unterstützung von konfessionsfreiem Personal arbeiten. In vielen anderen Ländern können Militärpersonal, Veteranen und ihre Familien auf Militärgeistliche zur Unterstützung zurückgreifen, aber gleichgestellte humanistische Berater zur Unterstützung Konfessionsfreier sind nicht vorhanden; woanders sind Berater oder Geistliche beim Militär angestellt um alle Personen zu unterstützen, aber die Möglichkeit zur Bewerbung auf diese Positionen sind begrenzt auf Angehörige weniger oder nur einer Religion.
3.   Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert jedem Menschen das Recht auf Gedanken- Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Rcht beinhaltet die Freiheit, seine Religion oder Glauben zu wechseln und die Freiheit, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, privat oder öffentlich seine Religion oder Weltanschauung zu leben in Lehre, Praxis, Andacht und Ritual.
Der humanistische Weltkongress 2011 glaubt, dass:
1.   Wo Militärgeistliche vorhanden sind, aber keine gleichwertige Unterstützung durch humanistische Beratung, da achten Staaten die Menschenrechte von konfessionsfreiem Personal nicht.
2.   Wo Militärgeistliche die Pflicht haben, Empfehlungen oder andere Dienste für religiöses Personal, auch wenn dies nicht ihre Religion oder Konfession hat,  anzubieten, aber wo keine vergleichbare Pflicht zur Empfehlung oder Dienstleistung  für konfessionsfreies Personal besteht, da missachtet der Staat die Menschenrechte von konfessionsfreiem Personal.
3.   Wo Berater oder Geistliche vom Militär für den Dienst an allen Personen  unabhängig von deren Religion oder Weltanschauung angestellt sind, aber die Möglichkeit zur Bewerbung für solche Arbeitsplätze auf Menschen einer bestimmten Religion oder einer Zahl bestimmter Religionen beschränkt ist, missachten die Staaten die Prinzipien der Gleichbehandlung.
Daraus folgern wir:
1.   Wir rufen die Staaten, die ihr religiöses Personal, Veteranen und ihre Familien durch die Bereitstellung von Geistlichen unterstützen, dazu auf, humanistische Pendants zu schaffen für konfessionsfreies Personal, Veteranen und ihre Familien.
2.   Wir rufen die Staaten, die Berater oder Geistliche zur Unterstützung allen Personals unabhängig von Religion oder Weltanschauung anbieten,  aber die Möglichkeit zur Bewerbung für diese Arbeitsplätze auf religiöse Bewerber begrenzen, dazu auf, diese Einschränkungen zu beenden und solche Rollen allen qualifizierten Personen zu öffnen.
3.   Wir fordern die nationalen humanistischen Gruppen auf, nach Wegen zu suchen, damit sie sicherstellen, dass konfessionsfreies Militärpersonal in ihren nationalen Armeen nicht diskriminiert werden und alle Militärpersonen  ihre garantierten Menschenrechte voll ausschöpfen können.

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IHEU-Resolution zur Korruption
Der humanistische Weltkongress 2011, der sich vom 12. bis 14, August 2011 in Oslo, Norwegen versammelte, verabschiedete folgende Erklärung zum Problem der Korruption:

Der humanistische Weltkongress 2011 hält fest:

1.   Kofi Annan bezog sich auf Korruption als eine ‚heimtückische Seuche', die Demokratie und die Gültigkeit von Recht und Gesetz unterläuft, zu Verletzungen von Menschenrechten führt, Märkte verzerrt, die Lebensqualität verringert und ermöglicht, dass organisierte Kriminalität, Terrorismus und andere Bedrohungen menschlicher Sicherheit blühen.
2.   Korruption reicht von kleinen Bestechungsgeldern an Angestellte lokaler Verwaltungen bis zu großen Zahlungen an nationale Führungspersonen für unvernünftig profitable Verträge.
3.   Korrupte Verwaltungen neigen dazu, Ressourcen für unnötige Projekte und für solche, die kapitalintensiv sind, auszugeben,um ihre Bestechungssummen zu maximieren. Dadurch entstehen Verzerrungen in Entwicklungsprioritäten, wobei Ausgaben von notwendigen grundlegenden Diensten wie Erziehung oder Gesundheitsdienste zu Projekten wie größere militärische Ausstattung umgelenkt werden, wodurch größere Bestechungssummen zu erzielen sind.
4.   Korruption kann da leichter florieren, wo Geheimnisträgerei herrscht und nur schwache Medien-Organisationen und zivilgesellschaftliche Institutionen die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen könnten.
Als Folge davon
1.   Rufen wir den Menschenrechtsrat der VN an, eine Arbeitsgruppe zu Korruption und Menschenrechten einzusetzen als ersten Schritt  hin zu Maßnahmen, die auf die Beseitigung der Korruption weltweit zielen.
2.   Fordern wir alle Staaten auf, Korruption als vordringliches Problem anzusehen, ausländische und einheimische Bestechung zu kriminalisieren, wozu auch die Benutzung finanzieller Institutionen für Transaktionen, die in Beziehung zu Korruption stehen, gehört, und die Konvention der VN gegen Korruption zu unterzeichnen, ratifizieren und wo noch nicht geschehen, in Kraft zu setzen.
3.   Fordern wir alle internationalen Organisationen auf, Korruptionsprobleme anzusprechen und die OECD Konvention gegen Bestechung ausländischer Behörden und die Paris-Erklärung für effektive Hilfe, die Anstrengungen zur Bekämpfung der Korruption bei internationaler Hilfe einschließt,  zu unterstützen.
4.   Rufen wir alle Unternehmen zum anständigen Handeln in Achtung vor nationalem und internationalem Recht auf. Alle Unternehmen sollen ein Programm zum Entgegenwirken von Bestechung einführen, das auf dem freiwilligen Code von Transparency International für den Privatsektor, "Geschäftsprinzipien zur Entgegenwirkung von Bestechung" beruht. Alle Vorstandsmitglieder haben die Verantwortung für die Einhaltung der Regeln und Regulationen auf diesem Gebiet durch das Unternehmen.
5.   Rufen wir zur Förderung von Transparenz bei der Verwaltung von Geldern auf allen Ebenen der Gesellschaft  und in allen Gesellschaften (einschließlich der sogenannten "Steueroasen") und zur Förderung von Verantwortlichkeit und Stärkung der Zivilgesellschaft und ihrer Organe der Verantwortungskontrolle, wie etwa der Medien, auf.
6.   Rufen wir alle Humanisten, humanistischen Organisationen und andere Organisationen der Zivilgesellschaft auf, das Korruptionsproblem wo immer möglich anzusprechen und alle Anstrengungen der Regierungen zu unterstützen, um die Gesetzgebung über Korruption zu verbessern und Verdachtsfälle  auf Korruption und Finanzverbrechen zu untersuchen.
Wir müssen über Kulturen und nationale Grenzen hinweg zusammen halten, um eine zusammenhängende und umfassende Strategie gegen Korruption einzuführen. Die Hauptverantwortung ruht bei den Regierungen, den VN und anderen internationalen Organen. Die reicheren Staaten der Welt dürfen die Notwendigkeit für nötige Kontrollmaßnahmen zu Hause einschließlich der Überwachung des Vermögens von Regierungsministern nicht unterschätzen.

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Wieder steht ein Militärbündnis vor der Frage eines Luftangriffs
Die dem Frieden und dem Wertekonsens der Menschenrechte verpflichtete Welt steht genauso wie 1999 im Kosovo wieder vor der Frage eines militärischen Eingreifens, diesmal vor allem in Libyen, weil dort ein Despot seine Armee gegen das eigene Volk einsetzt.
Der Sicherheitsrat der UNO hat zwar den inzwischen existierenden Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag beauftragt, die Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. [In dem von Stephan Mögle-Stadel herausgegeben Buch "Kofi Annan, UNvollendeter Weg, Die UNO im 21. Jahrhundert", Verlag Deutsche Unitarier, Ravensburg 2003, ist im Anhang auch die Entstehung des Internationalen Strafgerichtshofes beschrieben.] Damit kann aber das Morden nur indirekt gestoppt werden. Um die nichtmilitärischen und friedenssichernden Instrumente zu stärken, fehlt dem ICC die Polizeitruppe, einen Haftbefehl zu exekutieren. Im Falle Muamar al-Gaddafis existiert dieser noch nicht, wohl aber für den Präsidenten des Sudan.
Der Ausschluss Libyens aus dem UNO-Menschenrechtsrat wird vom DFW begrüßt, hilft aber der notleidenden Bevölkerung wenig. Das Verbot des Waffenexports nach Libyen war längst überfällig; weitere wirtschaftliche Sanktionen gegenüber dem Gaddafi-Regime wie auch die Ausschöpfung aller nichtmilitärischen Mittel sind dringend geboten. Ein militärisches Eingreifen lehnt der DFW aus menschenrechtlichen Gründen und auch  aufgrund bisheriger Erfahrungen ab.
Durch die Ergänzung der Exekutive des ICC mit einer Polizeitruppe kann solchen Despoten etwas mehr Einhalt geboten werden. Leider fehlt aber noch die Anerkennung des ICC durch die Vetomächte des UNO-Sicherheitsrates USA, Russland und China.
Um die internationalen rechtsstaatlichen Werkzeuge gegen Völkermord und Menschenrechtsverletzungen zu schärfen, appelliert der DFW an seine freigeistigen und humanistischen Schwesterverbände, ihre Regierungen in den USA, Russland und China zur Ratifizierung des Statuts des ICC zu bewegen. Der Wertekonsens kann nur auf der Grundlage der weltweiten Anerkennung der Menschenrechte basieren. Gleichzeitig sollte über die Europäische Humanistische Föderation (EHF) innerhalb der EU eine Initiative gestartet werden, die Exekutive des ICC durch eine Polizeitruppe zu stärken, um Haftbefehle des ICC exekutierbar zu machen.
(Beschluss des DFW Präsidiums, Berlin, 5. März 2011)
Renate Bauer (DFW-Präsidentin)
Horst Prem (DFW-Vizepräsident)
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Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik
Ankündigung der wissenschaftlichen Tagung der Freien Akademie vom 02. bis 05. Juni 2011 in Schney
Die Freie Akademie will ihre wissenschaftliche Tagung im Jahr 2011 an traditioneller Stelle in der Frankenakademie Schloss Schney abhalten. Während der Tagung wird im Rahmen von Vorträgen, Kurzreferaten und Diskussionsbeiträgen das Thema "Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik" behandelt werden.
Das Thema ist aktuell und wird nicht allein in der Wissenschaft, sondern gerade auch in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. An dieser Stelle sei nur der Hinweis auf einen Beitrag in der Zeitschrift DIE ZEIT vom 27.05.2010 (S. 39 f.) erlaubt: "Ein Schöpfungsakt - Wissenschaftler erzeugen Zellen mit synthetischem Erbgut. Kann die Biologie nun klären, was die Natur des Lebens ist?", und ist das eigentlich die einzige Frage, die sich im Zusammenhang mit der Verwendung synthetischen Erbgutes stellt?
Informationen zur Gentechnik sind vielen Zeitgenossen sicherlich eher nicht so geläufig. Trotzdem fühlen sich viele Menschen in der Lage, die Gentechnik entweder in Bausch und Bogen zu verdammen oder in den Himmel zu heben. Was ist also dran an der Gentechnik? Was kann sie? Was sollte sie möglicherweise nicht tun? In diesem Kontext wird z.B. auch der Einfluss von Ideologien, Religionen, Weltanschauungen oder Moral zu betrachten sein. Offenbar hat die Gentechnik großartige Möglichkeiten. Ihre Grenzen liegen vermutlich nicht so sehr im technischen Bereich.
Es stellt sich zudem eine Gemengelage aus dem Mangel an Faktenwissen und althergebrachten Traditionen,  Wertvorstellungen und Ängsten vor der realen Welt dar. Dies führt u.a. dazu, dass die Gentechnik oftmals negativ betrachtet wird. Andererseits werden die Verfahren der Kreuzung und Auslese in der Pflanzen- und Tierzüchtung schon sehr lange erfolgreich angewandt und kaum ein Mensch stört sich daran. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Kreuzung und Gentechnik?
Erwartet werden darf eine Synthese aus unserem hoffentlich fruchtbaren interdisziplinären Ansatz von Information und anschließender Bewertung. Das erscheint uns allerdings kaum anders möglich als zunächst durch eine sachliche Darstellung der Fakten. Denn Ideologie und Angst helfen für ein angemessenes Urteil wohl kaum weiter. Seien Sie herzlich willkommen vom 2. bis 5. Juni 2011 in Schney. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an unserer sicherlich spannenden Tagung. Anfragen und Anmeldungen bitte an: Freie Akademie, c/o Frau Alke Prem, 85521 Ottobrunn, Prinz-Otto-Str. 9.

Dr. Volker Mueller(Präsident der Freien Akademie)
Prof. Dr. Rolf Röber (Wissenschaftlicher Tagungsleiter 2011)

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Laizismus ist die Voraussetzung für Religionsfreiheit

Erklärung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) zur Neujahrsansprache von Papst Benedikt XVI.

In seiner Ansprache an Neujahr 2011 bezeichnete Benedikt XVI. den Laizismus als Angriff auf die Religionsfreiheit und verfälschte dabei die Beziehung zwischen beiden.

Das Menschenrecht auf Religions- und Glaubensfreiheit umfasst nicht nur die Freiheit der Wahl einer Religion oder Weltanschauung, sondern auch die Ablehnung von beidem, es umfasst weiter das Recht, sich mit anderen zusammenzuschließen zur gemeinsamen Ausübung einer Auffassung. Es beinhaltet nicht die Privilegierung bestimmter religiöser Institutionen oder religiöser Institutionen überhaupt.

Wenn ein Staat Handlungen religiöser Organisationen unterstützen will, dann geht das nur im Rahmen der Gleichbehandlung aller religiösen/weltanschaulichen Institutionen. Dadurch gewinnen diese Institutionen aber nicht das Recht auf Bevorzugung vor anderen Institutionen. Ausübung einer Religion oder Weltanschauung ist das Recht des Individuums, auch wenn sich viele bei der Ausübung dieses Rechtes öffentlich zusammentun. Der Ausgangspunkt ist der Mensch und nicht eine Institution. Denn das Individuum ist für Menschenrechtsverletzungen zur Verantwortung zu ziehen. Diese Individualisierung im Strafrecht ist offensichtlich im Vatikan noch nicht angekommen.

Laizismus ist daher nicht ein Angriff auf die Religionsfreiheit, sondern deren Voraussetzung. Er ist eine Forderung nach Achtung der Menschenrechte und der Gleichbehandlung aller religiösen und weltanschaulichen Organisationen durch den Staat.

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften, ein Zusammenschluss säkularer und freigeistiger Organisationen, findet es daher erschreckend, wie wenig der Papst die Notwendigkeit einer säkularen, religiös-weltanschaulich neutralen Struktur in den modernen Demokratien anerkennt, und stattdessen die Voraussetzung von Religionsfreiheit überhaupt mit dem Übel des Fundamentalismus gleichsetzt.

Renate Bauer
- DFW-Präsidentin -
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Humanismus und Frieden
Junge Brandenburger nahmen aktiv an der Internationalen
Humanismus-Konferenz und Jugendbegegnung in Oslo/Norwegen teil

Die Internationale Humanistische und Ethische Jugendorganisation (IHEYO) führte in Oslo/Norwegen ein internationales Jugendtreffen durch, das parallel zur Internationalen Konferenz der weltweiten Humanistenorganisation (www.iheu.org) stattfand. Das Thema lautete: "Humanismus und Frieden". Neben bedeutsamen menschenrechtspolitischen Diskussionen und Workshops fanden vielfältige Jugendbegegnungen statt. Es waren etwa 100 junge Leute aus ca. 30 Ländern der Erde dabei. Der Humanistische Freidenkerbund Brandenburg nahm mit 10 jungen Leuten vom 10. bis 15. August 2011 unter Leitung von Silvana Uhlrich-Knoll und Dr. Volker Mueller daran teil.

Die schrecklichen Ereignisse am 22. Juli 2011 in Oslo und auf der Jugendferieninsel Utøya  haben auch für die Jugendbegegnung ein besonderes solidarisches und bewegtes Miteinander bewirkt. Wir haben am Ort des Anschlags im Regierungsviertel und vor der Domkirche in Oslo der Opfer gedacht und jeder Jugendliche hat eine weiße Rose niedergelegt.

Unter dem Motto "Schritt für Schritt – Ein Stück Frieden" wurde das Thema "Humanismus und Frieden" aus internationaler Sicht von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen praktisch veranschaulicht. Die jungen Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern haben Methoden des Konfliktmanagements, Theaterarbeit, künstlerische Ansätze, Toleranzerziehung und humanistische Bildung sowie praktische Alltagserfahrungen kennengelernt und erarbeitet. In Seminarform und in Workshops wurden Probleme und Erfahrungen der jungen Leute weltweit zusammengetragen und für globales und regionales Friedensengagement und Entwicklungszusammenarbeit aufgezeigt. Folgende Themen für Gruppenarbeiten bzw. Workshops gab es:

1. Einstudierung und Gestaltung eines Theaterstücks zum Thema "Humanismus und Frieden"
2. Entwicklung von Arbeitsmaterialien und Medien für eine gewaltfreie und tolerante Erziehung und Bildung - Menschenrechtslernen im 21. Jahrhundert
3. Lösung von Konflikten – Mediation und Konfliktmanagement
4. Möglichkeiten globaler Aktionen für Friedenserhalt und Friedensschaffung überall in der Welt

Die Resultate und Materialien wurden engagiert in einer Abschlusspräsentation demonstriert und veröffentlicht. Zugleich wurde in den Tagen in Oslo die Möglichkeit genutzt, interessante Konferenzvorträge von Wissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern und Politikern – wie Erik Assadourian, Kronprinz Haakon, Johan Galtung, Sophie in`t Veld (MEP), Heiner Bielefeldt, Greg Epstein, Lars Gule, Leo Igwe, Vikas Gora, P. Z. Myers, Peter Eigen und Taslima Nasrin – zu erleben. Die jungen Freidenker und Humanisten verbrachten – auch im solidarischen und freiheitlichen Miteinander angesichts der schrecklichen Anschläge in Oslo und auf Utøya – eine anregende Zeit mit den jungen Humanisten Norwegens und den anderen Teilnehmern aus aller Welt.

Dr. Volker Mueller
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